
Gesunde Ernährung bei Hämophilie: keine
Raketenwissenschaft
Grundsätzlich darfst du als Hämophilie-Betroffener alles essen. Es gibt auch keine spezielle Hämophilie-Diät oder ein Hämophilie-Superfood. Wohl aber ein paar Dinge, die, wenn du sie beachtest, einen wichtigen Unterschied für dein tägliches Wohlbefinden machen können.
Übergewicht vermeiden – mit ballaststoffreicher, ausgewogener Ernährung
Mit einer Hämophilie ist es besonders wichtig, auf die Ernährung und das Körpergewicht zu achten, da mehr Gewicht die Gelenke stärker belastet und Einblutungen auslösen kann. Je nach Therapie kann auch die Menge des verabreichten Medikaments vom Gewicht abhängen: Weniger Kilos heißt dann weniger Medikation.
Wenn du abnehmen willst, liefern dir Obst und Gemüse neben Vitaminen und Mineralstoffen zusätzlich Ballaststoffe für ein schnelleres Sättigungsgefühl. Auch Vollkornprodukte machen dich länger satt und wirken sich positiv auf deine Cholesterin- und Glukosewerte aus. Bei Fertiggerichten und Fast Food lohnt sich dagegen Zurückhaltung: Sie enthalten oftmals zu viel Salz, Fett und Zucker. Viele weitere nützliche Empfehlungen für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung findest du auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DEG).
Entzündungen hemmen – mit Omega-3 und Silizium
Gelenkblutungen führen als Spätfolge oftmals zu Arthrosen. Auch hier kannst du mit der richtigen Ernährung Vorsorge treffen. So können die in hochwertigen Pflanzenölen und Fisch enthaltenen ungesättigten Omega-3-Fettsäuren entzündungshemmend wirken. Und das z. B. in Bananen, Hafer, Naturreis oder Brennnesselkräutertee enthaltene Silizium der Kieselsäure kann sich positiv auf deine Gelenkknorpel auswirken. Wichtig ist zudem ein bewusster Verzehr tierischer Fette. Denn Fleisch, Wurst, Butter oder vollfetter Käse enthalten Arachidonsäure, die im Verdacht steht, Entzündungen begünstigen zu können. Gleichzeitig liefern tierische Produkte aber auch das für die Blutbildung essenzielle Vitamin B12: Es kommt also auf das richtige Maß an. Wenn du dir unsicher bist, frage dazu deine behandelnde Ärztin oder deinen behandelnden Arzt.
Wichtig bei Hämophilie: mit der richtigen Ernährung die Blutbildung ankurbeln
Mit einer Hämophilie blutest du schneller und länger als andere. Deshalb ist es für dich besonders wichtig, dass dein Körper ausreichend neues Blut bilden kann. Eine gute Grundlage dafür schaffst du mit Lebensmitteln, die möglichst viel Vitamin B12 und Eisen enthalten.
B12 – Das Power-Vitamin bei mangelnder Blutgerinnung
B1, B2, B6, B12: Es gibt viele B-Vitamine. Für Hämophilie-Betroffene besonders wichtig ist das Vitamin B12 oder Cobalamin, das streng genommen eine Gruppe von Vitaminen ist. Anders als andere wasserlösliche Vitamine kann es gut im Körper gespeichert werden und übernimmt dort viele lebensnotwendige Aufgaben. Es wirkt sich zwar nicht unmittelbar auf die Blutgerinnung aus, spielt in der Ernährung von Hämophilie-Betroffenen dennoch eine äußerst wichtige Rolle, da es an vielen Prozessen der Blutbildung beteiligt ist.
Lebensnotwendig für Blutbildung, Zellteilung und Nervenfunktionen
Im Körper wird das über die Nahrung aufgenommene Vitamin B12 in Coenzyme umgebaut, die z. B. die Blutbildung, die Zellteilung und die DNA-Synthese steuern.
Es spielt auch eine wichtige Rolle beim Aufbau einer Schutzschicht um unsere Nervenzellen, damit unsere Nerven nicht „blank“ liegen. Außerdem aktiviert Vitamin B12 die Folsäure (Vitamin B9). Folsäure baut das gefäßschädigende Homocystein ab und schützt die Arterien so vor Verkalkung (Arteriosklerose).
Tierisch wichtig und tierischen Ursprungs
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt Jugendlichen ab 13 Jahren und Erwachsenen eine tägliche Vitamin-B12-Zufuhr von 4 µg, Schwangeren/Stillenden von 4,5 bzw. 5,5 µg. Vitamin B12 ist in der von uns verwertbaren Form ausschließlich in Fleisch, Fisch und anderen tierischen Produkten wie Milch, Eiern oder Käse zu finden. Die folgenden Produkte liefern besonders viel Vitamin B12:
Vitamin B12-Gehalt in µg/100 g
Schweineleber | 39 |
Ostseehering | 11 |
Rindfleisch | 05 |
Emmentaler (45 % Fett) | 03 |
Edamer (40 % Fett) | 02 |
Schweinefleisch | 02 |
Hühnereier | 02 |
Speisequark (20 % Fett) | 01 |
Das heißt: Deinen täglichen Bedarf kannst du also bereits mit rund 10 g Leber, 40 g Ostseehering, 100 g Rindfleisch oder 2 Eiern decken.
Mit einer Hämophilie sollte Vitamin B12 fester Bestandteil deiner Ernährung sein. Als Veganer:in solltest du es also unbedingt ergänzend aufnehmen: z. B. über Sojadrinks, Fleischersatzprodukte oder Frühstückscerealien mit zugesetzten Mengen an Vitamin B12 oder Nahrungsergänzungsmittel.
Eisen – der Alleskönner
Das Spurenelement Eisen ist extrem wichtig für die Zell- und Blutbildung, den Sauerstofftransport und die Energiegewinnung der Zellen. Im Körper ist es hauptsächlich in den roten Blutkörperchen gebunden. Für eine ausreichende Versorgung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. (DEG) je nach Alter eine tägliche Eisenzufuhr zwischen 10 und 12 mg.
Das in tierischen Lebensmitteln enthaltene Eisen kann der Körper zu 20 bis 30 Prozent aufnehmen, das in pflanzlichen nur zu 5 bis 10 Prozent. Daher solltest du als Vegetarier:in oder Veganer:in bei Hämophilie ganz besonders auf deine Eisenzufuhr achten. Die folgenden pflanzlichen Lebensmittel enthalten besonders viel davon:
Pflanzliche Lebensmittel mit hohem Eisengehalt
- Haferflocken, Weizenkleie, Hirse (geschält)
- Wildreis
- Roggen-Knäckebrot
- Rote Beete, weiße Bohnen, Sojabohnen, Linsen
- Feigen (getrocknet)
- Mandeln, Walnüsse
- Basilikum
Tierische Lebensmittel mit hohem Eisengehalt
- Enten- und Schweineleber
- Kalbfleisch
- Huhn
- Miesmuscheln
- Sardinen
- Seelachs
- Krabben
Tipps für eine bessere Eisenverwertung
Eisen wird besonders gut vom Körper verwertet, wenn gleichzeitig Vitamin C zugeführt wird: Ein Glas Orangensaft oder Wasser mit einem Spritzer Zitronensaft zum Essen ist perfekt. Auch die Zubereitungsart kann die Aufnahme verbessern. So verringert das Einweichen oder Keimen von Getreide und Hülsenfrüchten den Gehalt an Stoffen, die die Eisenaufnahme hemmen. Wegen der darin enthaltenen Gerbsäuren (Tannine) hemmen auch Tee, Kaffee und Rotwein die Eisenaufnahme. Es lohnt sich also, diese Getränke bewusst und mit Maß zu genießen.
Quellen:
1) Deng W, et al. Effect of omega-3 polyunsaturated fatty acids supplementation for patients with osteoarthritis: a meta-analysis. J Orthop Surg Res. 2023;18(1):381.
2) Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Gut essen und trinken – die DGE-Empfehlungen. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/gut-essen-und-trinken/dge-empfehlungen/ ; Abrufdatum: 25.02.2025.
3) Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. Vitamin B12. https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/vitamin-b12/ ; Abrufdatum: 27.02.2025.
4) Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Wie kann ich meinen Eisenbedarf decken? https://www.gesundheitsinformation.de/wie-kann-ich-meinen-eisenbedarf-decken.html; Abrufdatum: 26.02.2025.
5) Prescha A, et al. Silicon intake and plasma level and their relationships with systemic redox and inflammatory markers in rheumatoid arthritis patients. Adv Clin Exp Med. 2019;28(11):1485-1494.
6) Srivastava A, et al. WFH Guidelines for the Management of Hemophilia, 3rd edition [published correction appears in Haemophilia. 2021 Jul;27(4):699.]. Haemophilia. 2020;26 Suppl 6:1-158.